{"id":673,"date":"2018-12-02T19:27:38","date_gmt":"2018-12-02T18:27:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.aca-munich.de\/?p=673"},"modified":"2019-12-02T19:38:18","modified_gmt":"2019-12-02T18:38:18","slug":"kindheitserinnerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aca-munich.de\/de\/kindheitserinnerungen\/","title":{"rendered":"Kindheitserinnerungen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.aca-munich.de\/faqs\/#laundrylist\">Laundry List Trait 10<\/a>: Wir haben die Gef\u00fchle, die aus unserer traumatischen Kindheit herr\u00fchren, nachhaltig unterdr\u00fcckt, d. h. wir haben die F\u00e4higkeit verloren, diese Gef\u00fchle zu f\u00fchlen oder auch auszudr\u00fccken, weil es einfach so schmerzhaft ist (Verleugnung).<\/p>\n<p>Eigentlich ist das gar nicht der Trait, den wir derzeit in unserer Gruppe bearbeiten. Irgendwie sp\u00fcre ich aber dennoch, dass ich diesem Trait langsam n\u00e4her komme, langsam zu verstehen beginne, was es mit Trait 10 auf sich hat&#8230; Dieser Tage f\u00fchlte ich mich pl\u00f6tzlich ziemlich traurig. &#8222;Mama trinkt, wird ohnm\u00e4chtig. Das Kind: allein.&#8220; Es geht in etwa um diese Art von Traurigkeit. Und ich trete zur Abwechslung einmal nicht die Flucht an, weder nach vorne noch sonst wohin. Ich bleibe in der Situation, bleibe in diesem Gef\u00fchl, ich erlaube mir, diese Traurigkeit in all ihrer Tiefe zu sp\u00fcren. Ich untersuche das, was ich da f\u00fchle, ganz ruhig, fast wie ein Chirurg. Traurigkeit. Traurigkeit dar\u00fcber, dass man mich alleine gelassen hat.<\/p>\n<h4>Blind f\u00fcr die Betrunkenheit anderer<\/h4>\n<p>Eine seltsame Sache ist \u00fcbrigens, dass ich f\u00fcr sehr lange Zeit, quasi w\u00e4hrend meines gesamten Erwachsenenlebens, buchst\u00e4blich blind f\u00fcr Trunkenheit war. Ich konnte nicht wahrnehmen, ob die Person, die mir gegen\u00fcbersa\u00df, nun betrunken war oder nicht (ok, wenn er oder sie vom Stuhl fiel, dann gab mir das schon zu denken&#8230;). Ich konnte es einfach nicht wahrnehmen. Ich dachte die ganze Zeit, dass das irgendwie mit meiner Kindheit zusammenh\u00e4ngen muss. Aber wie genau?<\/p>\n<p>Ganz allm\u00e4hlich, nachdem ich fast drei Jahre lang an ACA-Meetings teilgenommen habe, stelle ich fest, dass ich die F\u00e4higkeit zur\u00fcckgewinne, die F\u00e4higkeit wahrzunehmen, ob jemand betrunken ist. Nein, tats\u00e4chlich setzte die F\u00e4higkeit relativ abrupt wieder ein. Was ich pers\u00f6nlich schmerzhaft finde, wenn ich heute wahrnehme, wie andere betrunken werden, ist nicht so sehr die Tatsache, dass diese Menschen trinken \u2013 Erwachsene sind erwachsen, sie sollten selbst am Besten wissen, was sie tun. Worauf ich reagiere, wenn ich sehe, wie sie allm\u00e4hlich betrunken werden, ist, dass ich mich durch ihre Zustands\u00e4nderung extrem einsam f\u00fchle. Menschen, die sich betrinken, gehen&#8230;. sie gehen irgendwie an einen anderen Ort, ins Alcohol Country. Und ich bleibe zur\u00fcck. Auch wenn sie liebevolle, f\u00fcrsorgliche Menschen sind: Sobald sie betrunken sind, z\u00e4hlt das alles nicht mehr. Das Einzige, worum sie sich k\u00fcmmern, ist ihre&#8230;. Reise.<\/p>\n<p>Das ist in alles OK. Erwachsene Menschen. Ich bin auch erwachsen. Ich kann weggehen &#8211; was ich tats\u00e4chlich inzwischen oft mache, einfach die Party verlassen und nach Hause gehen. Ein Spaziergang durch n\u00e4chtliche Stadt\/landschaften ist ein \u00e4sthetisch erhebendes Erlebnis. Es gibt mir ein gutes Gef\u00fchl. Kein Schaden ist entstanden, f\u00fcr niemandem.<\/p>\n<p>Aber als ich noch ein Kind war? Das war eine v\u00f6llig andere Situation! Ein Kind kann nicht einfach weggehen, wenn Mama betrunken ist und nicht mehr reagiert. Eigentlich bin ich sogar als Kind mehr als einmal weggegangen, habe mich auf den Weg gemacht, um bei meiner Gro\u00dfmutter Unterschlupf zu finden. Was f\u00fcr eine schreckliche Situation.<\/p>\n<h4>Eine Wiederbegegnung mit meinem Inneren Kind<\/h4>\n<p>Und all das d\u00e4mmert mir langsam, dieser Tage, wenn ich beobachte, wie Menschen auf Partys betrunken werden. Es erinnert mich an mich selbst, als ich noch ein Kind war. Oder vielleicht kann man es auch so beschreiben: Es bringt mich in Kontakt mit dem Inneren Kind in mir. Dem Kind, das sich nie erlaubt hat, diese Gef\u00fchle von Einsamkeit und Traurigkeit zu sp\u00fcren. Weil die Situation selbst die gesamte Aufmerksamkeit erforderte, weil es keine Energie gab, um sich mit diesen Gef\u00fchlen zu befassen.<\/p>\n<p>Heute geht es mir gut. Ich f\u00fchle mich sicher, geliebt, unterst\u00fctzt. Von meinen Freunden, von meiner ACA-Gruppe. Heute habe ich Menschen in meinem Leben, die sich um mich sorgen, die mich fragen, wie ich mich f\u00fchle. Eine ganz neue Erfahrung. Aber warum kommen diese Gef\u00fchle von Einsamkeit und Traurigkeit gerade jetzt?<\/p>\n<p>Vielleicht ist das normal. Vielleicht lasse ich meinen \u00dcberlebensmodus langsam los, den Modus, der Gef\u00fchle abschaltet, Gef\u00fchle, die \u00fcberw\u00e4ltigend, schmerzhaft, bedrohlich sind. Vielleicht habe ich jetzt, da ich mich endlich sehr wohlig f\u00fchle, diese zus\u00e4tzliche Energie, die n\u00f6tig ist, um alte Gef\u00fchle zuzulassen. Gef\u00fchle, die mit den schmerzhaften Erfahrungen meiner Vergangenheit verbunden sind.<\/p>\n<h4>And the good news&#8230;<\/h4>\n<p>Und wahrscheinlich ist das auch die gute Nachricht: Diese Gef\u00fchle sind mit meinen alten (Kindheits-)Erfahrungen verbunden. Und sie kommen hoch, weil meine Gegenwart gl\u00fccklich ist, weil ich mich sicher genug f\u00fchle, sie zuzulassen. Offensichtlich ist das Erscheinen dieser (Kindheits-)Gef\u00fchle ein Zeichen daf\u00fcr, dass ich etwas richtig gemacht habe. \ud83d\ude42 Dass eine alte Wunde heilt. \ud83d\ude42 Dass ich anfange, diese&#8230;. schmerzhafte Vergangenheit loszulassen.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das Einzige, was ich tun muss, dem Inneren Kind, das ich war, die Ehre zu erweisen. Und ich erweise ihr die Ehre, indem ich die Gef\u00fchle anerkenne, die sie hatte: Gef\u00fchle der Traurigkeit und der Einsamkeit. Gef\u00fchle, die zu f\u00fchlen ich mir damals nicht erlauben durfte. Und die zu f\u00fchlen ich mir heute erlaube.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laundry List Trait 10: Wir haben die Gef\u00fchle, die aus unserer traumatischen Kindheit herr\u00fchren, nachhaltig unterdr\u00fcckt, d. h. wir haben die F\u00e4higkeit verloren, diese Gef\u00fchle zu f\u00fchlen oder auch auszudr\u00fccken, weil es einfach so schmerzhaft ist (Verleugnung). 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